Artikel in der DHZ: „Bei mir erhalten Möbel ein zweites Leben“

Ein Artikel der Deutschen Handwerks Zeitung:

Esther Ollick steht regelmäßig für ein Millionenpublikum vor der Kamera. Sie ist Händlerin bei der ZDF-Trödelsendung Bares für Rares. Was viele nicht wissen: Ollick ist gelernte Raumausstatterin und restauriert unter dem Namen „Möbelaktivistin“ Vintage-Möbel. Im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung erzählt sie, was ihr das Handwerk bedeutet…

Von Jessica Baker

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Esther Ollick ist gelernte Raumausstatterin und Händlerin in der ZDF Trödel-Show „Bares für Rares“. – © ZDF

DHZ: Sie sind gelernte Raumausstatterin und haben eine Werkstatt für Vintage-Möbel. Was bedeutet Ihnen das Handwerk?

Esther Ollick: Meine handwerkliche Arbeit ist mir sehr wichtig. Man kann nur Geld verdienen mit dem, was man gerne macht. Unter dem Namen „Möbelaktivistin“ restauriere ich alte Möbel, die sonst weggeschmissen werden. Mein Job macht sehr viel Spaß und ergibt auch noch einen Sinn und das ist ja das Beste, was einem passieren kann.

DHZ: Warum haben Sie sich nach der Schule für eine Ausbildung im Handwerk entschieden?

Esther Ollick: Meine Begeisterung für das Handwerk wurde mir schon in die Wiege gelegt. Mein Vater war Schlosser und meine Mutter auch immer schon handwerklich kreativ. Mein Vater hatte für alles eine Lösung parat und meine Mutter hat es schön gemacht.

Außerdem bin ich mit alten Möbeln aufgewachsen. Da lag es für mich nahe eine Ausbildung zur Raumausstatterin zu machen.

DHZ: Wie ging es danach weiter?

Ollick: Ich wollte etwas anderes machen als nur im Betrieb angestellt zu sein und habe mich selbstständig gemacht. Mit einem kleinen Team war ich acht Jahre lang im Bereich Messebau und Ausstellungen unterwegs. Leider sind die entworfenen Konstruktionen dort sehr kurzlebig und es wird sehr viel weggeworfen. Das konnte ich irgendwann nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren. Daher habe ich einen Vintage-Laden und eine Möbelwerkstatt eröffnet. Jetzt erhalten alte und kaputte Möbel bei mir ein zweites Leben.

DHZ: Wie reagieren Ihre Kunden darauf, wenn Sie ihnen „alte“ Möbel verkaufen?

Ollick: Das war am Anfang gar nicht so einfach. Ich habe mich zunächst schwer getan Fotos von den Möbeln zu zeigen wie sie vor der Aufbereitung aussahen. Schließlich waren die Tische und Stühle total abgerockt und ich verkaufe die nachher für ein paar hundert Euro. Es stecken aber auch viele Handwerkerstunden drin.

Als ich angefangen habe vorher und nachher Fotos zu zeigen, haben meine Kunden die Möbel viel mehr wertgeschätzt. Meine Werkstatt und die Produkte standen plötzlich in einem ganz anderen Licht.

DHZ: Wie sieht es denn in Ihren eigenen vier Wänden aus? Stehen da überall Vintage-Möbel?

Ollick: Ich habe tatsächlich fast nur secondhand oder alte Möbel in meiner Wohnung. Alle aus dem Zeitraum 1880 bis 1970. Sogar die Musikboxen sind aus den 70ern. Auch meine Küche ist vintage, nur die Elektrogeräte sind neu. Ich tausche die Möbel auch gerne mal aus und gebe sie an meine Kunden, wenn Sie etwas unbedingt haben wollen.

DHZ: Sie haben aber nicht nur eine Vintage-Werkstatt, sondern sind auch regelmäßig in der ZDF-Trödel-Show Bares für Rares zu sehen. Wie sind Sie zu diesem Job gekommen?

Ollick: Mich haben schon öfter Produzenten von verschiedenen TV-Formaten gefragt, ob ich nicht ins Fernsehen will. Aber ich wollte nie. Die Vorstellung vor der Kamera zu stehen hat mich nie besonders gereizt. Oft waren die Sendungen auch unattraktiv, weil sie „nicht echt“ waren. Als Bares für Rares dann zum zweiten Mal gefragt hat, dachte ich mir, wir können es ja mal ausprobieren. Es war also eher Glück, dass ich so eine tolle Sendung gefunden habe. Jetzt bin ich seit zweieinhalb Jahren dabei.

DHZ: Das heißt also bei Bares für Rares ist alles echt?

Ollick: Die Händler, die Experten und die Verkäufer sind echt, das kann ich auf jeden Fall sagen. Außerdem wird niemand schlecht gemacht. Die Sendung vermittelt einfach ein gutes Gefühl und die Zuschauer haben noch einen Lerneffekt dabei. Das macht auch den Erfolg der Sendung aus. Die einzelnen Folgen erzielen eine Einschaltquote von drei bis fünf Millionen Zuschauern.

DHZ: Sie unterscheiden sich von den anderen Händlern bei Bares für Rares. Wie sehen Sie Ihre Rolle dort?

Ollick: Ja genau. Die anderen Händler haben Antiquitätenläden, wo sie 100 oder 200 Jahre alte Sammlerstücke verkaufen. Ich arbeite mit Vintage-Möbeln, die nur 60 oder 70 Jahre alt sind. Ich bereite viele der Raritäten, die ich in der Sendung kaufe wieder neu auf. Am liebsten kaufe ich dort Vintage-Möbel, also Teile aus den 50ern oder 60ern. Ich hoffe damit neuen Schwung in das Thema zu bringen und auch jüngere Menschen für Vintage-Möbel zu begeistern.

DHZ: Werden Sie jetzt oft auf die Sendung angesprochen?

Ollick: Wenn ich ungeschminkt und mit anderen Haaren raus gehe, werde ich nicht erkannt oder zumindest nicht auf die Sendung angesprochen. Aber ich werde sehr oft nett gegrüßt an der Kasse oder im Aufzug. Ein älterer Herr meinte auch mal mich zu kennen „Sie sind doch Leistungssportlerin oder Fußballerin!“ Das hat mich natürlich sehr gefreut.

Mein ehemaliger Laden hat dadurch nicht wesentlich mehr Zulauf bekommen. Ich bin mit meinen Möbeln doch sehr speziell. Viele wissen nicht, was Vintage ist und können das nicht einordnen. Ich bediene eher eine kleine Zielgruppe, die sich auch von den Zuschauern von Bares für Rares unterscheidet.

DHZ: Was passiert, wenn Sie ein Teil in der Sendung erworben haben?

Ollick: Wir Händler behalten die Stücke bis nach Ausstrahlung der Sendung bei uns. Danach rufen oft Interessenten an. Es gibt auf meiner Website ein Kontaktformular über das mich die Käufer erreichen können. Was nicht sofort verkauft wird, landet in meinem Online-Shop.

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Screenshot von original Artikel der DHZ

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